TFF 2012 (Foto Manuela Hahnebach)

Rudolstadt (v.l.o.n.r.u.): Regenwolken, Heidecksburg, Innenstadt, Caravanstellplatz (Foto MH)

China als Landesthema! 3 Chinesen mit 'nem Kontrabass hinter Gittern? Das gibt Ärger!

John Hiatt & The Combo aus den USA...

als Auftakt mit Songs von Rock'n'Roll bis Blues und Country...

war ganz cool (Foto MH)

Moop Mama aus München will mit Brass'n'Drums mitreißen (aber das wollen so viele...)

Auch Shantel & Bucovina Club Orkestar (Frankfurt/Main)... (Foto MH)

Den Kids hat Disko Parti Partizani scheinbar gefallen (Foto MH)

Bei Radiorumeli gabs hand- & mundgemachte balkan-türkisch-griechisch-armenische Musik

Im Tanzzelt gings rund bei Rundtänzen mit Tickled Pink (England)

Conjunto Angola 70: kubakaribische Grooves treffen auf afrikanische Gitarrenriffs

Wieder mal Brass'n'Drums, diesmal von Hypnotic Brass, einer Familienband aus Chicago...

Da hielt es kaum eine Hose mehr am Saum im Zaum (Foto MH)

Da staunt das Publikum? Und trinkt! Viel zu teures Bier.

Oumou Sangare aus Mali...

wird ihrer Rolle als "Diva der Sahara" völlig gerecht (guck mal Fingernägel)... (Foto MH)

Dandio Sidibe arbeitet noch dran... (Foto MH)

Aber die Musik war yala (Foto MH)

Die tibetischen Tashi Lhunpo Mönche ließen es ruhiger angehen (Foto MH)

Im Gegensatz zu Systema Solar... (Foto MH)

einer afrokaribischen Soundexplosion aus Kolumbien

Da tat dann etwas Erholung im Wein- & Kaffeehof der Bauernhäuser ganz gut

Chinesische Straßenmusiker mit gewöhnungsbedürftigen Klängen

Gewöhnungsbedürftige Hüte treffen auf bretonische Musik...

vom Le Bour Bodros Quartet

Der Meister und das Mädchen (in der Musikinstrumentengasse)

Flötenbaumeister

Friday Night in San Francisco Sonnabend Nachmittag in Rudolstadt: Que Passa aus Polen

4 Tage Stricken für den Weltfrieden

4 Tage Pizzabacken für die hungrige Festivalmeute

Tangará... (Foto MH)

brasilianischer Capoeira aus Berlin... (Foto MH)

Das schlaucht schon beim Zusehen (Foto MH)

Und macht ein' fertig... (Foto MH)

Ganz müde

Es sei denn, es gibt frische Getränke (Foto MH)

So wie hier (alles, außer Bio!)

Zu den fliegenden Street-Freerunnern von TOS (aus Münster) sollte man Abstand halten (Foto MH)

Corroboration: Gemeinschaftsprojekt mit südafrikanischen Township-Streetdancern (Foto MH)

Auf der Burgbühne gibts dazu den größten anzunehmenden Kontrast... (Foto MH)

Hannes Wader - Urliedermacher aus Bielefeld (eigentlich gleich neben Münster) (Foto MH)

Und dann wieder ganz was anderes... (Foto MH)

Narasirato...

Bambus-Bambule von den Salomonen (Foto MH)

ca. 12000 km weiter östlich liegt Valparaiso, im Heinepark nur ca. 800 m bis zur Konzertbühne...

zu Pascuala Ilabaca y Fauna... (Foto MH)

Latina Folk Jazz Tango Chileno... (Foto MH)

Olé (Foto MH)

Baba Zula: Istanbul-Psychedelic-Dub - man konnte das Gras der türkischen Steppe förmlich riechen

Oje, kein Kindergeburtstag (Foto MH)

Der war erst am nächsten Tag mit Fireter...

einer magischen Stelzen-Theater-Feuer-Show aus Sofia

für Kinder leider ohne Kokeln, sondern mit einer großen Madame Butterfly als Bonbonspender

und einem ganz kleinen Hündchen am Rande, aber es bestand kein Zusammenhang zu...

chinesischer Koch- oder Opernkunst (Ke Jun & Jiangzu Province Kunqu Opera Troupe) (Foto MH)

Altnordischer Bass von Steinar Raknes (Norwegen) trifft in der Stadtkirche...

samisches Joik (könnte man erst nach einer Flasche finnischen Wodka nachjodeln): Skáidi

Ein irer Hauch von frischen Reels...

wehte vom Holy Garaghty Trio aus Irland durch den Heinepark

mit einem musikstudierten Engelchen an der Harfe (Foto MH)

Ein ganz anderer Wirbelwind...

eine ordentliche Brise arabischer Frühling...

fegte mit Emel Mathlouthi aus Tunesien/Frankreich über die Bühne (Foto MH)

die Stimme der Jasmin-Revolution

Da war Widerstand zwecklos (sie werden assimiliert) (Foto MH)

In Rudolstadt hat man sich inzwischen einen Kopf gemacht: Wie man Regen abstellt?...

Oder wie man die Puppen trotz Regen weiter tanzen läßt?

Beim vorletzten Konzert auf der großen Bühne im Heinepark...

hatten Les yeux d'la tete aus den Kneipen von Paris...

mit leidenschaftlichen Zigeuner-Chanson-Jazz-Klängen keine Mühe...

das (mit den tanzenden Puppen) hinzukriegen

Das Wasser wurde sogar kreativ genutzt, um kleine...

oder große Seifenblasen platzen zu lassen (Foto MH)

Eine davon war für mich das Abschlusskonzert, no positive Vibrations... (Foto MH)

von Gentleman & The Evolution (schöner Nebel)... (Foto MH)

eigentlich Tilmann Otto aus Osnabrück (schöner Name)... (Foto MH)

Ständiges "Free Rudolstadt" & "Tibet" rufen (oder umgekehrt) ist noch lange kein Reggae (Foto MH)

Tanz & Folk Fest Rudolstadt 2012 rootsfolkworldmusic

Ist schon klar, dass es nicht jedes Jahr Gigs geben kann, die ein' umhaun. Von den angekündigten Musikern waren mir nur Oumou Sangare und Hannes Wader ein Begriff. Aber es gibt doch immer wieder Neuentdeckungen, die zumindest als Liveerlebnis interessant sind. So fand ich gleich das Eröffnungskonzert von John Hiatt ziemlich cool. Dagegen waren mir fette Bläsersätze und stampfende Drums a la Balkanbeat auf Dauer etwas langweilig. Brass'n'Bass wirkt inzwischen ziemlich überstrapaziert, wenn man angestrengt extatisch das Publikum mitreißen will. Moop Mama und Shantel ... na ja, wer's mag.

Schön, dass man am Freitag etwas Zeit hat, sich mal in oder um Rudolstadt umzusehen. Wir waren am Marienturm, haben dort beim Mittagessen dem obligatorischen Regen über der Stadt zugeschaut und sind bei schönstem Sonnenschein zum Heinepark zu Cojunto Angola 70, zum Aufwärmen bei karibischen Grooves mit afrikanischen Gitarrenriffs. Im neu eröffneten Hof der Thüringer Bauernhäuser (mit gar nicht volkstümlichen Preisen für Wein, Kaffee & Kuchen) gab es hand- und mundgemachte Musik im idyllischen Rahmen, z.B. von Radiorumeli: eine tschechisch-türkisch-deutsche Akustikband macht balkanisch-türkisch-griechisch-armenische Musik, sehr natürlich, ohne Showgehabe. Das kann man vom Hypnotic Brass Ensemble, einer Familienband aus Chicago natürlich nicht erwarten. Die Brasser machten ordentlich Druck und hypnotisierten mit ihren freien, tätowierten Waschbrett-Oberkörpern und tiefergelegten Hosen (wobei die Schlüpferwerbung hier wohl zweitrangig war) vor allem die weiblichen Zuschauer.
Oumou Sangaré aus Mali wurde ihrer Rolle als "Diva aus der Sahara" völlig gerecht (das sah man schon an den Fingernägeln, mit denen man sicher gut durch den Sand graben kann). Ihre Begleiterin Dandio Sidibe hatte auch etwas Wüstes an sich (der wollte ich lieber nicht im Dunkeln begegnen), hat auf der Bühne ordentlich was hergemacht. Der stoische Ngoni-Spieler Benogo Diakite aus Senegal sorgte für den hypnotischen Zupfrhythmus. Da musste Béla Fleck mit seinem Banjo etwas blass bleiben. Insgesamt ziemlich berauschend - yala.
Die exiltibetischen Tashi Lhunpo Mönche ließen ihre buddhistischen Zeremonien ruhiger angehen (mit einer 3/4 Stunde Verspätung etwas zu ruhig). Aber ein wen auch immer störendes Bild des seit dem 6. Lebensjahr in China verschwunden 11. Panchen Lama ist halt nicht in 5 Minuten abgeklebt (überaschenderweise war der Panchen Lama auf dem Altarbild seines traditionellen Heimklosters Tashi Lhunpo dargestellt). Ich fand es zwar interessant, aber irgendwie deplatziert, die Gebetszeremonien als Showprogramm darzubieten.
Dann ging es aber mit Brachialmusik weiter, Systema Solar aus Kolumbien sorgten im Heinepark für eine afrokaribische Soundexplosion von Salsa, Techno, Cumbia, Champeta, Reggae bis Rap, HipHop, Drum'n'Bass und was weiß ich nicht noch alles.

Da war natürlich am Sonnabend früh schwer in die Gänge zu kommen (Eka & Iris & Sigrid Doberenz & Wimmerschinken mussten ausnahmsweise ohne uns mitmachtanzen ... war'n Scherz, das mit der Ausnahme). Wir waren erst für bretonische Musik vom Le Bour-Bodros Quartet wieder aufnahmefähig, einer guten Ballance von Tradi- und Improvisation.
Nach dem Aufstieg zur Burgterasse machte Tangará, eine Berliner Capoeira-Truppe, ein' schon beim Zusehen fertig. Wer wollte, konnte sich beim Kontrastprogramm von Hannes Wader (des deutschen Liedermacher-Urgesteins aus Bielefeld) erholen. Mir war es im Burghof viel zu eng, die Bühne viel zu weit weg und die Lieder (sag ich mal vorsichtig) etwas zu altehrwürdig. So war ich selber eben hier, nachher dort. Bin in der Stadt umhergestreift, hab einen kurzen Eindruck vom Landesschwerpunkt China in Form von Straßenmusikern mit gewöhnungsbedürftigen Bambus-Tröten bekommen. War kurz beim Duo Mosalini-Senso am Neumarkt (argentinisch-französische Bandoneon-Kontrabass-Impro), was mir etwas zu anstrengend war. Bin durch die Musikinstrumentengasse geschlendert, wo interessante Musikinstrumentenbaumeister auf interessierte Kunden warten. Am Günther-Brunnen verwandelte sich Sonnabend Nachmittag in Rudolstadt plötzlich in Friday Night in San Francisco dank dreier Gitarreros von Que Passa aus Polen.
Eine Horde kleiner Männer von den Salomononen-Inseln machte im Heinepark Bambus-Bambule auf Panflöten, Bassflöten (Bambus-Katjuschas), Bamboo-Phon, Bamboo-Keybord, Bamboo-Trommeln, die Tontechnik am Lendenschurz war aber nicht aus Bambus... Etwa 12000 km weiter östlich, aus Valparaiso kam Pascuala Ilabaca y Fauna (das sind nicht ihre Haustiere, sondern ihre Band), im Heinepark waren's nur ca. 800 m zur Konzertbühne. Die spielten ganz eindrücklich Latina-Salsa-Tango-Jazz mit einem Schuss Mapuche und bemerkenswerter Gesichtsakrobatik der Akkordeonspielerin.
Ganz anders bei Baba Zula aus Istanbul, der verzog fast keine Mine, aber dröhnte die Menge mit Türkisch-Folk-Psychedelic-Dub zu, dass man förmlich das Gras der türkischen Steppen zu riechen meinte. Das Ganze  wurde mit einer opulenten griechischen Bauchtänzerin garniert... Peace & Love...
Blitz The Ambassador mit Ghana-HipHop aus Brooklyn hab ich mir dann nach einer Hörprobe erspart und mich lieber bei einem Glas Wein in den Bauernhäuserhöfen erholt.

Sonntag früh um 11 war Manu schon wieder fit für Chinesische Oper im Theater: Ke Jun & Jiangzu Province Opera Troupe (im Ernstfall kann man im weichen Theatergestühl ja auch ein wenig abschalten). Zur gleichen Zeit bin ich dummerweise in die Kinderkarawane (die man nicht abschalten kann) im Heinepark geraten. Mit Fireter, das ist ein magisches Stelzenläufer-Feuershow-Theater-Programm aus Sofia (im Kinderprogramm leider ohne Kokelei, dafür mit Bonbons). Dagegen musste man bei den Jungs von TOS (Münster) mit Freestyle-Streetrunning (oder auch einfach nur 3000m-Hindernis-Akrobatik) etwas Abstand halten, wenn man nicht angesprungen werden wollte. Den südafrikanischen Township-Streetdancern (Corroboration) aus Ratanda/Heidelberg bei Johannesburg haben sie sich in einem gemeinsamen Projekt aber doch angenähert. Obwohl deren Gumboot-Dance daneben etwas daneben aussah, aber vielleicht hab ich's auch nur nicht verstanden.
Egal, Fremdartiges ist ja auch immer ein wenig unverständlich, das macht ja den exotischen Reiz aus. Das gilt besonders für's samische Joik von Inga Juuso in der Stadtkirche (haben's wieder mal versucht) zusammen mit dem Norweger Steinar Raknes an seinem uralten Bass: Skáidi. Der teils lautmalerische, teils jodelnd-lallend gesprochene Obertongesang der Sami würde uns frühestens nach einer Flasche finnischen Wodka in Ansätzen einfallen.
Als nächstes wieder zum Heinepark. Dort wehte ein irer Hauch von frischen irischen Reels vom Holy Geraghty Trio über die Wiese, mit einem musikalischen (studierten) Engelchen an der Harfe. Auf der Burgterasse dagegen fegte schon ein ordentlicher Wirbelwind des arabischen Frühlings über die Bühne: Emel Mathlouthi - die Stimme der Jasmin Revolution aus Tunesien/Frankreich (und natürlich ihre Band). Da ich das Blaue Gras des Country Illinois like Alison Krauss & Union Station nicht so prickelnd fand, bin ich wieder downtown zum Heinepark. Da sind gerade Les yeux d'la tete aus ihren Pariser Kneipen auf die Bühne gestiegen und haben mit Gipsy-Folk-Chanson-Jazz-Rock die Menge gerockt - a la folie (irgendwas mit Wahnsinn).
Dann haben wir noch auf das Abschlusskozert gewartet: Gentleman & The Evolution. Die Reggae-Warte-Bandschleife war ja o.k., aber was Tilman Otto aus Osnabrück mit seinen ständigen "Free Rudolstadt" & "Tibet"-Rufen (oder umgekehrt) geboten hat, kann selbst in der tiefsten Thüringer Provinz nicht mehr als Roots-Reggae durchgehen, no positive Vibrations, statt dessen Exodus. Die Jamaikaner müssen inzwischen sehr genügsam sein, wenn das der einzig anerkannte deutschsprachige Reggaemusiker sein soll (Wer legt sowas überhaupt fest? Der jamaikanische Reggae-TÜV? Wahrscheinlich kann nur ein wahrer Gentleman sowas von sich selbst behaupten.) Ich hatte jedenfalls viel Zeit, das Auto schon mal aufzuräumen, hab 'ne ordentlche CD von Bob Marley eingelegt und mich über die kreischenden Kids im Park gewundert, die an dem Abend scheinbar nichts Besseres vorhatten.